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Die Canon EOS R6 für die Hundefotografie – mein Fazit nach 6 Monaten testen

Seit knapp sechs Monaten fotografiere ich als selbstständige Hundefotografin mit der neuen spiegellosen Canon EOS R6 Hunde und deren Besitzer:innen. Und eines kann ich dir sagen: Liebe auf den ersten Blick war die Kamera nicht – zumindest was den vielversprechenden Augenautofokus anging. Dies wird kein Technikbericht sondern ein Blogbeitrag in dem ich darüber erzähle, wie ich zu der Kamera gekommen bin und wie ich nach den ersten Hürden (genauer gesagt sehr unscharfen Hunde-Rennbildern) schlussendlich mit ihr warm geworden bin und sie inzwischen nichtmehr missen möchte. 

Hunde in Action klappen mit der Canon EOS R6 inzwischen problemlos und macht riesigen Spaß!

Warum bin ich überhaupt auf das spiegellose System von Canon umgestiegen?

Einen wirklichen Grund gab es ehrlich gesagt nicht. Meine vorherige Kamera, die Canon EOS 5D MK IV, hat noch tadellos funktioniert und selbst die inzwischen in die Jahre gekommene Canon EOS 5D Mk III ebenfalls. Und auch meine vielen L Objektive, die sich seitdem ich mit Canon fotografiere (2009) ansammelten, haben keine Wünsche offen gelassen – eigentlich. 

Dann fande im Sommer 2020 die Online Präsentation der neuen Spiegellosen Kameras statt und ich war schockverliebt in die Canon EOS R5.

Ich interessiere mich 0 für Technik – ehrlich nicht. Eine Gebrauchsanweisung habe ich noch von keiner einzigen Kamera gelesen (und ich hatte inzwischen 8 verschiedene Modelle) und habe einfach  immer nur geschaut, was das nächstbessere Modell für den aktuellen Stand meiner fotografischen Fähigkeiten war, um noch besser zu werden. Aber die neuen Kameras von Canon haben doch ganz schön viel Staub in der Foto-Szene aufgewirbelt und so habe ich den Livestream von Canon abgespielt, während ich niedliche Hundebilder an meinem Grafiktablet retuschierte. Und vor Überraschung ist mir fast der dazugehörige Stift aus der Hand gefallen! Das war ja mal ein Paukenschlag von Canon. Wie gut, dass ich nicht inzwischen auch schon in das Sony-Lager übergesiedelt war wie so viele andere Fotograf:innen. Für mich war ganz schnell klar, dass es die Canon EOS R5 werden sollte. 

Canon hatte mich mit dem Tieraugenfokus als Hundefotografin definitiv angefuchst. Und da ich mein Equipment ohnehin etwas reduzieren wollte habe ich meine beiden Spiegelreflexkameras verkauft und habe meine Bestellung bei dem lokalen Fotofachgeschäft aufgegeben. Dank Corona und dem weltweiten Chip-Mangel musste ich mich einige Wochen gedulden und durfte dann meine neue Kamera in den Händen halten: die Canon EOS R6  Warum es die R6 und nicht die R5 geworden ist, berichte ich ein anderes Mal. Ein RF Objektiv gab es erstmal nicht dazu, Canon wirbt ja fleißig damit, dass man problemlos die EF Objektive mit einem Adapter benutzen könne. 

Nach dem ersten Test mit meiner Hündin Malia hätte ich sie am liebsten sofort zurückgegeben.

Meine vorherige Kamera die 5D Mk IV und ich waren ein eingespieltes Team. Ich konnte sie blind bedienen und wusste wie ich was fotografieren muss, damit die Hundebilder knackescharf werden. Also dachte ich wenn ich mein jetziges Wissen auf die viel fortschrittlichere Technik anwende muss es doch sofort klappen. Pustekuchen! Mich überforderte die vielen Einstellungen und Neuerungen, und überhaupt: Wieso braucht man eigentlich so ein Klappdisplay, wenn es eh nur umhandlich von der Kamera absteht? Ich war so genervt von der Technik, dass ich komplett gegen die Kamera arbeitete und frustriert auf die teilweise sehr unscharfen Ergebnisse blickte. Vielleicht lag es auch noch ein kleines bisschen daran, dass es Winter war und ich aufgrund des vielen Schnees bei uns in Südbaden mit dicken Handschuhen, Mütze und Schneehose fotografieren musste und das alles noch viel mühsamer machte. 

Bei dem ersten Test mit dem Canon EF 200mm f/2.8 L USM II waren schöne Bilder dabei aber Liebe auf den ersten Blick war es nicht.

Unscharfe Hundebilder, langsamer Autofokus und Chromatische Aberrationen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Natürlich waren nicht alle Bilder unscharf aber dennoch genug, um enttäuscht zu sein. Der Autofokus war gefühlt viel langsamer als an der 5D und plötzlich bemerkte ich diese unschönen lila Ränder bei starken Kontrasten. und das obwohl ich ausschließlich mit Objektiven bester Qualität arbeite. Seltsam. Ich machte mich also schlau und fande heraus, dass nicht alle EF Objektive mit dem Adapter harmonieren und vor allem die älteren Objektive langsamer fokussierten. Aha das war es also! Und tatsächlich, mit dem Canon EF 35mm f/1.4 L USM II und dem Canon EF 85mm f/1.4 L IS USM, die ja recht neu auf dem Markt sind, griff der Autofokus viel besser. Die ersten Testbilder von meiner rennenden Hündin hatte ich mit dem Canon EF 200mm f/2.8 L USM II gemacht, also eines der älteren Gläser. 

Durch viel Übung bin ich mit der Kamera dann doch recht schnell warm geworden aber so ganz hat mich die Qualität der Ef Objektive (alle L) und dem Ef-Rf-Adapter nicht überzeugt

Übung macht wie immer den Meister!

So sortierte ich schleunigst das Canon EF 135mm f/2.0 USM und das 200mm Objektiv aus und fotografierte nur noch mit dem 35er und dem 85er Objektiv und nutzte die ruhigere Wintersaison um zu üben. Auf jeden Hunde-Spaziergang kam die Kamera mit, ich schaute sämtliche Technik Videos zu der Kamera auf YouTube an und überprüfte die entstandenen Bilder und die Einstellungen. Langsam wurde ich mit der Technik warm und glücklich über jeden Fortschritt den ich machte und jedes Hundebild, das scharf wurde. Ich merkte wie ich die Einstellungen intuitiver wählte und ich inzwischen Gefallen an dem Touchdisplay mit dessen Funktionen (wie toll ist es bitte, dass man den Fokuspunkt an einer beliebigen Stelle setzen kann?!) gefunden habe. Nach etwa einer Woche standen die ersten bezahlten Hunde Fotoshootings im Schnee an und das erste Mal seit Jahren war ich etwas nervös, ob die Bilder wirklich gut werden würden. Ich vertraute auf meine jahrelange Erfahrung in der Hundefotografie und wusste, dass ich mir notfalls auch mehr Zeit lassen kann, falls es nicht auf Anhieb klappen würde. Auch wenn etwa 4x mehr Bilder als sonst entstanden sind (zur Sicherheit habe ich den Auslösefinger etwas öfter gedrückt als sonst und die Kamera macht eben auch mehr Bilder pro Sekunde als die 5D Mk IV wenn man es entsprechend einstellt), war ich mit den Ergebnissen zufrieden aber ich merkte: 35mm und 85mm reichen auf Dauer nicht aus. Vor allem nicht mit dem Adapter, wodurch man aus meiner Sicht schon ziemliche Qualitätseinbußen in Kauf nehmen muss. Ich kann es nicht beschreiben wieso, aber die Bilder mit den EF Objektiven sahen nicht so perfekt aus wie an den Kameras mit dem EF Bajonett. Für die Bilder in Bewegung fehlte mir also definitiv eine längere Brennweite und so zog nach einigen weiteren Wochen warten aufgrund der Lieferengpässe das RF 70-200mm f/2.8 L IS USM bei mir ein. 

Der Kauf des Canon RF 70-200mm f/2.8 L IS USM war dann der Game-Charger. Morgens im lokalen Fotofachgeschäft abgeholt hat es abends bei dem ersten Hunde Fotoshooting sofort überzeugt.

Bessere Technik bedeutet nicht gleich bessere Bilder, auch wenn es ein Wunschgedanke vieler Fotograf:innen ist.

Vielleicht bin ich erst zu verkrampft an die Sache rangegangen. Canon lieferte einen vielversprechenden Tieraugenfokus, also erwartete ich sofort perfekt scharfe Tierbilder. Dass es ein komplett anderes System ist und ich plötzlich alle Arbeit der Technik überlassen würde, war mir fremd. Ich war es gewohnt alles zu steuern wie ich es will und nicht die Verantwortung abzugeben. Nach sechs Monaten beinahe täglicher Übung und fast 50 Fototerminen mit der neuen Kamera liebe ich diese Kamera und bin froh, den Wechsel zum spiegellosen System gewagt zu haben. Ich weiß inzwischen wann ich mich auf die Kamera verlassen kann und wann es besser ist die Kontrolle komplett selbst zu übernehmen. Ich habe gelernt wie es ist mit einem elektronischen Sucher zu fotografieren, verglichen mit einem optischen Sucher ist es doch eine ganz andere Art zu fotografieren (ihr könnt euch nicht vorstellen auf wie vielen Bildern der Hund nicht schön mittig platziert war weil es so einen großen Unterschied für mich gemacht hat, wenn ich den Hund nicht in Echtzeit im optischen Sucher sehe). Und ich weiß nun viel besser mit den 20 Bildern pro Sekunde umzugehen, dass ich nicht mit 3000 Fotos pro Fotoshooting nach Hause komme. 

Lohnt sich der Umstieg auf die Canon EOS R5 oder Canon EOS R6 auch für dich?

Vermutlich überlegst du auch gerade, ob du dir eine neue Canon Kamera für die Hundefotografie kaufen sollst, sonst wärst du nicht hier gelandet. Die Entscheidung, ob es eine ältere Spiegelreflexkamera werden soll oder auch eine spiegellose Kamera kann ich dir natürlich nicht abnehmen, aber ich kann eine Empfehlung aussprechen. Wenn du schon ein oder mehrere Objektive mit einem EF Bajonett hast und neben der Kamera nicht gleich noch das Budget für ein neues RF Objektiv hast, würde ich vorerst auf eine DSLR, also eine Kamera mit Spiegel greifen. Das kann eine Vollformatkamera wie die Canon EOS 5D Mk IV sein oder eine Kamera für ambitionierte Hobby-Fotograf:innen ohne Vollformat-Sensor wie die Canon EOS 90D. Mit einem Ef-RF-Adapter habe ich die Erfahrung gemacht, dass es zu große Einbußen in der Bildqualität und Schnelligkeit des Autofokus gab. 

Wenn du dir eine neue Kamera und ein neues Objektiv leisten kannst und möchtest, dann greife unbedingt zu einer neuen spiegellosen Kamera und zB dem RF 70-200mm f/2.8 L IS USM Objektiv. Erwarte aber nicht, dass du damit von heute auf morgen perfekt scharfe Rennbilder eines schnellen Hundes machst. Denn auch wenn die Technik in meinen Augen grandios ist, ohne das Wissen, wie man mit den Hunden umgehen muss und wie man perfekte Bedingungen für tolle Bilder von Hunden in Bewegung macht, ist die beste und schnellste Kamera wertlos. Wenn du hier also mit deiner aktuellen Kamera und Objektiven noch Probleme hast, versuche lieber erstmal die Ursache herauszufinden. 

Gute Bilder von rennenden Hunden hängen nicht von der besten Technik ab. Sie erleichtert es natürlich aber die Technik ist wertlos wenn man nicht weiß wie man auch mit einer langsamen Kamera zu solchen Bildern kommt.

Gerne helfe ich dir auf deinem Weg bessere Hundebilder zu machen.

Schreibe mir gerne über das untenstehende Formular eine Nachricht und ich werde dir kostenlos eine Bildanalyse erstellen. Gerade wenn man in dem Bereich der Hundefotografie noch etwas unsicher ist, weiß man manchmal nicht woran es liegt, dass die Bilder nicht so schön scharf werden. Mit meiner über 10 Jahre langer Erfahrung in der natürlichen Hundefotografie kann ich meistens sofort einschätzen, woran es liegen könnte. 

Du hättest auch gerne besondere Momentaufnahmen von Deinem Lieblingshund?

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